Die deutsche Nase. Johan Caspar Goethe in Neapel

Albert Meier

Abstract


Johann Caspar Goethes Viaggio per l’Italia (1740) ist ein aufschlussreiches Dokument der katholizismuskritischen Italien-Wahrnehmung im Geist der deutschen Frühaufklärung. In seinem umfangreichen Reisebericht, in italienischer Sprache verfasst, erweist sich der Vater des Dichters Goethe als ausgesprochen selbstbewusster Lutheranerder die charakteristische Religiosität der Italiener als puren Aberglauben verurteilt, ohne dabei je zu versuchen, die besonderen Sitten im Süden von ihren spezifischen Bedingungen her zu verstehen (fast ein halbes Jahrhundert später sollte das erst seinem Sohn Johann Wolfgang gelingen).
Die zwei Wochen in Neapel bilden den Höhepunkt von Johann Caspar Goethes Italien-Erfahrung. Ihre Schilderung im Viaggioist daher als Quintessenz dieser moralistisch motivierten Kritik an der mediterranen Kultur zu lesen: Der Besucher aus Deutschland erläutert die neapolitanische Lebensrealität – inmitten eines irdischen Paradieses, doch stets im Schatten vulkanischer Bedrohung – als Allegorie der allgemeinen conditio humana.



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ISSN: 0039-2952