«Leyenda negra» und «Hidalgo ingenioso. Zum Bild des frühneuzeitlichen Spanien in C. F. Meyers Jürg Jenatsch

Heiko Ullrich

Abstract


Das Spanienbild in Conrad Ferdinand Meyers historischem Roman Jürg Jenatsch ist zum einen von der sogenannten «leyenda negra» und zum anderen von der aufklärerischen und romantischen Rezeption des berühmten Don Quijote von Cervantes bestimmt. Während die «leyenda negra» Spanien als militärische Bedrohung dämonisiert, die Intrigen seiner Diplomaten verachtet, den religiösen Fanatismus seines Königs bedauert und den Hochmut seiner Bewohner ablehnt, inszeniert das Ideal des «hidalgo ingenioso» persönliche Tapferkeit, unbeirrbare Hartnäckigkeit, friedliebenden Idealismus und die Melancholie als spanische Nationalstereotype. Indem Meyer diese beiden Perspektiven eröffnet, folgt er dem Vorbild von Walter Scotts Waverley, der diejenigen, über die der historische Fortschritt hinweggeht, in einem ebenso dämonischen wie romantischen Licht erscheinen lässt und zeigt, was für immer verloren geht, wenn diese die Bühne verlassen.


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ISSN: 0039-2952