«Als Witze Scherze waren». Über die Polysemie des Worts ‘Witz’ mit besonderer Berücksichtigung seiner Verwendung als Fachwort der Ästhetik im Werk 'Gedancken von Schertzen' von G.F. Meier

Marina Foschi

Abstract


Polysemie oder die Eigenschaft von Wörtern, die je nach Verwendungsweise auf unterschiedliche Gegenstände Bezug nehmen können, wird in der Regel – wie es für Witz der Fall ist – durch die Auflistung mehrerer Bedeutungen in den Lexika registriert, womit aber nicht erklärt wird, warum die Mehrzahl der Alltagswörter Polysemie aufweist. Das Phänomen kann u.a. durch den Wortwandel ausgelegt werden, wie es hier am Beispiel des Worts Witz gezeigt werden soll. Das gegenwartsdeutsche Wort Witz spielt auf zwei gegensätzliche, einander widersprechende und sich gegenseitig ausschließende semantische Sphären an: einerseits auf die Sphäre der kognitiven Fähigkeit der Menschen, andererseits auf diejenige der Komik. Grundlage dieser Form «oxymorischer Polysemie» ist die semantische Entwicklung des Worts, die mindestens teilweise durch den Kontakt und den gegenseitigen Einfluss von Witz als Wort der Alltagssprache und Witz als Fachwort der Philosophie bedingt wurde. Die Ästhetik des 18. Jahrhunderts bezeichnet das, was man heute standardsprachlich vorrangig unter Witz versteht, nämlich eine Form der Komik, durch das Wort Scherz, was auf paradigmatische Weise in Georg Friedrich Meiers Abhandlung Gedancken von Schertzen (1744) belegt ist.

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ISSN: 0039-2952