Der humanistische Autordiskurs im Schnittfeld von neulateinischer und volkssprachlicher Mittelalter-Rezeption: Die Barbarossa-Vita des Johannes Adelphus Muling

Barbara Sasse

Abstract


Die zuerst 1520 in Straßburg gedruckte Schrift Barbarossa. Ein wahrhafftige beschreibung des Lebens und der Geschichte Kaiser Friedrichs I. des Humanisten und Arztes Johannes Adelphus Muling war die am weitesten verbreitete Quelle zur Geschichte Kaiser Friedrichs I. in der Frühen Neuzeit. Ihre Entstehung fügt sich in die nationale historische Debatte des zeitgenössischen Humanismus, insbesondere des Elsässer Kreises um Sebastian Brant und Jakob Wimpfeling, ein. Es handelt sich um eine Kompilation von Quellen unterschiedlicher Gattungszugehörigkeiten und Provenienzen. Neben den mehrheitlich lateinischen Werken, mittelalterlichen und zeitgenössischen, inseriert Muling auch einen Auszug aus dem 1519 gedruckten Volksbuch vom Kaiser Friedrich Rotbart. Damit fungierte er als Vermittler der lateinischen Barbarossa-Literatur in die Volkssprache (er selbst verstand sein Werk als Übersetzung). Durch die Zusammenführung der unterschiedlichen literarischen Redetraditionen stellte Mulings Text die Weichen für die Konstruktion des kollektiven Barbarossa-Mythos, dessen Narrative bekanntlich bis in der Moderne hinein weiter fort- und umgeschrieben wurden. Anhand einer Analyse der inhaltlichen Struktur des Barbarossa sowie insbesondere seines komplexen paratextuellen Apparats werden die Nahtstellen zwischen humanistischem und volkssprachlichem Diskurs aufgezeigt und der Text selbst in Bezug zu Mulings eigenem Autorverständnis gesetzt.


Full Text

PDF (Deutsch)


 

ISSN: 0039-2952