Alltagsbilder aus dem Warschauer Ghetto. Marcel Reich-Ranicki ‘im Gespräch’ mit seiner Frau Teofila

Ester Saletta

Abstract


Die Berichte über das Leben im Ghetto während der Nazibesetzung Polens (1942-1943) gehören nicht nur zu den eindringlichsten Passagen von Marcel Reich-Ranickis Autobiographie Mein Leben (1999), sondern auch zu einer Serie von kommentierten Aquarellskizzen unter dem Titel Es war der letzte Augenblick (2000), die Reich-Ranickis Frau Teofila im Warschauer Ghetto angefertigt hatte, und die Jahrzehnte später mit Texten von Hanna Krall veröffentlicht wurde. Bettelnde Kinder, Hungerleichen, die die Brutalität der deutschen Besatzungssoldaten im Fall Marcel Reich-Ranicki schriftlich und im Fall Teofila malerisch dokumentieren, erlauben eine sachliche, fast filmische Rekonstruktion des dramatischen Alltagslebens vieler Hitler-Opfer im Warschauer Ghetto. Es geht insbesondere um «Wortbilder bzw. Kunstaugenblicke», die stilistisch bzw. ästhetisch jene bipolare, d.h. jene gleichzeitig mörderische und immer noch hoffnungsvolle alltägliche Lebensstimmung des Ghettos widerspiegeln.

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ISSN: 0039-2952