Lücken und Fremdheit bei Franz Kafka und Yoko Tawada

Eriberto Russo

Abstract


In diesem Beitrag soll die Thematik der Lücke und der semantischen Unbestimmtheit bei Franz Kafka und Yoko Tawada untersucht werden, wobei diese Frage auch in den dialogischen und intertextuellen Rahmen der Beziehungen zwischen Migrantenliteratur und deutschsprachiger literarischer Tradition einbezogen wird. Ausgehend von der Annahme eines textuellen und ästhetischen Dialogs zwischen den Werken beider Autoren, die sich unter identitätskonzeptuellen Gesichtspunkten zwischen interkulturellen Räumen bewegen, soll eine Morphologie der Darstellungsweise der inhaltlichen, chronotopischen und sprachlichen Lücken bezeichnet werden. Das Hauptaugenmerk liegt auf Auszügen aus Franz Kafkas privaten Tagebuchschriften und Yoko Tawadas metaliterarischen und sprachkristischen Aufsätzen (Talisman, Überseezungen, Sprachpolizei und Spielpolyglotte, akzentfrei): Sowohl Kafkas Tagebücher als auch Tawadas Schriften stellen ausdrucksstarke Werkstätte kreativer Arbeit dar und gelten auch als Unterstützung für eine Reflexion über ihre Beziehung zur Sprache und zu den Ausdrucksmöglichkeiten der Wirklichkeit. Die zwei Autoren greifen auf die rhetorischen Werkzeuge der Entfremdung und der expressiven Unbestimmtheit zurück und nutzen das sprachliche Grenzpotential der Lücken und damit der Dimension des Ungesagten, um mit der Fremdheit, aus der sie schreiben, in Dialog zu treten. Die Resultate, die sich aus der Analyse der Einzelfälle von Kafka und Tawada ergeben, werden beifolgend in den Mittelpunkt einer vergleichenden abschließenden Reflexion gestellt.


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ISSN: 0039-2952