Vom Sprechen und Schweigen. Zur Darstellung lebensweltlicher Brüche und Verlusterfahrungen in den narrativen Interviews des Israelkorpus

Barbara Häußinger

Abstract


Der Beitrag untersucht die Dialektik von Schweigen und Sprechen anhand eines beispielhaft ausgewählten narrativ-autobiographischen Interviews aus dem sog. Israelkorpus und geht dabei der Frage nach, wie Erfahrungen von Verlust und Trauma in der Erzählung der Lebensgeschichte einer jüdischen Emigrantin nach Palästina dargestellt werden. Die Analyse diverser Interviewausschnitte, die sich methodisch auf das Instrumentarium der linguistischen Gesprächsanalyse und der Erzählanalyse stützt, deckt die ambivalente Erzählhaltung der Sprecherin auf: Dem Bedürfnis über das eigene Leben zu berichten, steht die Notwendigkeit entgegen, bestimmte Lebensphasen, die unmittelbar mit der individuellen Leidensgeschichte verquickt sind, auszuklammern, also mit Schweigen zu belegen, was sich mittels entsubjektivierter sprachlicher Darstellungsformen äußert. Solch «beredtes Schweigen» wird als Hinweis auf eine nicht vollzogene narrative Bewältigungsleistung interpretiert.

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ISSN: 0039-2952